22.000 Schritte in London - Studienfahrt Ostern 2017

Letztes Jahr erkundeten eine Handvoll Schüler/innen des Abendgymnasiums Ostwürttemberg Südengland, dieses Mal waren bereits 18 Abenteuerlustige in der Grafschaft Sussex unterwegs. Gut gerüstet für die Erlebnisse auf der Insel haben sie jedoch mit einem nicht gerechnet: mit Sonnenbrand.



In den Osterferien unternahm eine bunte internationale Truppe zum zweiten Mal eine Studienreise, um Kultur, Geschichte und Gastronomie in England kennen zu lernen. Unter den Reisenden der drei Standorte Schwäbisch Gmünd, Aalen und Heidenheim waren insgesamt 10 Nationen vertreten, von A für Albanien über G für Ghana bis hin zu U für Ungarn. Organisatorin und Gallionsfigur der Reise war auch diesmal Lindsey Haas, Englischlehrerin am Abendgymnasium. Mitglieder ihrer Familie leben immer noch in Kent, der benachbarten Grafschaft. In der Begleitung von Frau Haas fühlte sich die Gruppe sprachlich optimal unterstützt, wohl wissend, dass sie zur Seite steht, sollten die eigenen Sprachkenntnisse nicht ausreichen.

Während in Gmünd und in Heidenheim noch nicht einmal der Osterhase unterwegs war, bestiegen wir am Gründonnerstag bereits um 4 Uhr frühmorgens in der Dunkelheit die Reisebusse der Autovermietung Hrusa. Wie schon letztes Jahr brachten uns die Busse sicher durch Deutschland, Frankreich, Belgien und England. Insgesamt legten wir an 7 Tagen 3000 km unfallfrei zurück.

Als Unterkunft buchten wir die Nutley Edge Cottages, mehrere gut ausgestattete Ferienhäuser in Uckfield. Am meisten erfreute ein Grillplatz die hungrige Truppe sowie die Hühner, die jeden Tag fleißig Eier legten, und die Frühlingslämmchen, die für Schmusemomente sorgten. Frau Karin Gromer, Klassenlehrerin aus Heidenheim und noch weitere 5 Schüler/innen fuhren die Busse im Linksverkehr tapfer und furchtlos auf engen Straßen, nicht breiter als Feldwege, nach einigen Tagen bereits wie Einheimische.

Während wir von unseren Familien in Deutschland Fotos mit Winterlandschaften bekamen, holten sich einige von uns gleich am ersten Tag im Badeort Brighton einen Sonnenbrand. Sieben Tage lang blieben die Regenschirme in den Koffern liegen, statt dessen mussten wir Sonnencreme besorgen.

Als wir am zweiten Tag die berühmte Universitätsstadt Oxford besuchten, ahnten Anil, Rauf und Thomas noch nicht, dass sie am Ende des Tages als Lebensretter gefeiert würden. Die meisten besuchten die Colleges, die Eliteschulen, und die Bibliothek in der Innenstadt, doch die drei Schüler unternahmen eine Bootsfahrt auf dem Fluss Cherwell. Dabei handelt es sich um Stocherkähne, ähnlich den Gondeln in Venedig. Die sportlichen Schüler entschieden sich, mit dem langen Stab selbst den Kahn zu steuern. Sie stocherten immer gekonnter flussaufwärts, als sie plötzlich Hilferufe wahrnahmen. Drei Frauen hatten sich ebenfalls auf das Abenteuer, ihren Kahn selbst zu steuern, eingelassen, doch mitten im Fluss entglitt ihnen der Stab. Bei dem Versuch, ohne Stab zum Ausgangspunkt zurückzukehren, verloren sie die Kontrolle über das Fahrzeug, Wasser sammelte sich immer mehr im Kahn, bis sie gänzlich kenterten und auf einer Sandbank feststeckten. Geistesgegenwärtig wendeten die drei Schüler, holten den Stab aus dem Wasser, kehrten zu den Frauen zurück, halfen ihnen das Wasser aus dem Kahn zu schöpfen, bevor er ganz sank, und befreiten die Frauen aus ihrer Not. Sie wurden sowohl von den Frauen als auch von Passanten am Ufer als Helden gefeiert.

Nach so viel Aufregung tat uns die Erholung am Ostersonntag gut. Einige verbrachten den Tag am Meer, andere machten eine Wanderung in der Umgebung. Ohne Ostereisuche kein Ostermontag in England. Im Park von Schloss Bodiam waren Dracheneier versteckt, und wenn man alle Verstecke entdeckte, bekam man am Ausgang ein echtes Schokoladenei. Das Schloss aus dem 14. Jh. ist historisch bedeutsam, allerdings hatte der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen, sodass heute nur noch die Außenmauern unbeschadet emporragen.

Zweifelsohne stellte der Ausflug nach London den Höhepunkt der Reise dar. Hier kamen alle auf ihre Kosten. Kulturinteressierte besuchten das British Museum sowie das Museum of London oder bewunderten die Kronjuwelen im Tower of London. Wieder andere riskierten erneut ein Abenteuer auf dem Wasser und buchten eine Fahrt mit den Duckboats - Amphibienfahrzeuge, die auf den Straßen der Hauptstadt und auf der Themse an Sehenswürdigkeiten vorbeisteuern. Die Fußballfans in der Gruppe besuchten zwei große Fußballstadien mit Führung.

Auch diesmal ging es nicht ohne Schrecksekunden ab. Betrachtet man die schiere Größe der Stadt, war die Vereinbarung, dass niemand ganz allein unterwegs sein sollte, sehr vernünftig und nachvollziehbar. Wir rechneten nur nicht damit, wie schnell sich Metrotüren schließen. Unterwegs zum British Museum bestieg Edgar die Metro, doch Frau Eisele, Klassenlehrerin in Schwäbisch Gmünd, konnte ihm nur noch zuwinken. Nun waren sie getrennt und wussten nicht, wie weiter. In der Metro ist kein Handyempfang möglich, beide hofften darauf, dass der andere den nächsten Zug nimmt. Bald wurde deutlich, dass das Warten noch lange dauern könnte, denn mehrere Züge fuhren ohne ein Wiedersehen vorbei. Noch verzwickter wurde die Situation, als Frau Eisele von anderen Passagieren informiert wurde, dass ihr Schüler angeblich in die falsche Richtung gefahren sei. Letztendlich kamen beide Gestrandeten auf die Idee, die unterirdischen Tunnel zu verlassen, und auf einen Anruf des Anderen zu warten. Es dauerte eine halbe Stunde, bis die kleine Truppe endlich wieder vereint war.

Den ereignis- und mit laut Schrittzähler 22000 Schritten bewegungsreichen Tag beschlossen die Fußballbegeisterten in einem Pub, wo sie das Spiel Bayern München gegen Real Madrid verfolgen konnten, wobei das Endergebnis große Enttäuschung bescherte. Andere genossen die exotischen Gerichte und Gewürze in einem indischen Restaurant.

Falls jemand in der Oxford Street, der Einkaufsmeile von London, kein Mitbringsel finden konnte, hatte er am Abschlusstag der Reise dazu noch eine Chance auf dem Wochenmarkt des Städtchens Chichester.

Nach 7 Tagen bestiegen wir bei Sonnenaufgang die Busse noch ein letztes Mal in Richtung Deutschland. Unsere Taschen waren vollgepackt mit Geschenken für unsere Familien und unsere Köpfe mit Erfahrungen und Erlebnissen.